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Quo vadis Ultraschall?

 

Auf dieser Seite schreibt Johnnie W. seine Gedanken zur Welt der Ultraschalldiagnostik. Die Ereignisse der letzten Wochen und Tage werden kritisch beleuchtet und mit der persönlichen Meinung kombiniert, zugegeben bisweilen auch sarkastisch. Es ergibt sich ein anderes, nicht ganz ernst zu nehmendes Bild der Szene – Lächeln und Nachdenken sind angesagt.

 

(Hinweis: einige der Links im Artikel erfordern eine kostenlose Anmeldung bei www.auntminnie.com)

 

Der Sommer hat auch in der Ultraschallszene seine Löcher hinterlassen, doch jetzt beleben nicht nur ätherische Öle das Geschäft. Die Ultraschalldiagnostik ist nun mal ein sehr kommunikatives Verfahren und z. B. Bob Dylan, mal laut oder mal leise, hat schon vielen Patienten die Untersuchung angenehmer gestaltet. Doch der neueste Renner sind Aromen im Ultraschallgel. Eine noch junge Firma aus Seattle bietet ein mit speziellen Essenzen versetztes Gel an, dass in einer Umfrage unter 800 Patienten zu 98 % den Vorzug gegenüber den üblichen Generica erhielt. Die Ultraschalluntersuchung wird zum Riecherlebnis. Folgerichtig wird dieses patentierte Gel vom Hersteller als „Aromatherapy Ultrasound Gel“ in den Markt eingeführt.

 

Endlich sagt das in den USA für die Ultraschalldiagnostik zuständige Institut (AIUM) ein ganz klares Wort. In einer Stellungnahme zum Babyfacing wird die Welt wieder gerade gerückt. Das könnte Folgen haben, denn der Erlös für die Andenkenvideos für die werdenden Eltern war ein nettes Zubrot, auch für ungeübte Schaller. Es wird sogar hervorgehoben, dass die medizinische Indikation zur Ultraschalluntersuchung in Verbindung mit einem kostenpflichtigen Andenkenvideo zumindest ethisch sehr bedenklich ist. Ohne medizinische Indikation durchgeführte Ultraschalluntersuchungen mit Video sind obsolet.

 

„Sex sells“ ist ein bekanntes Motto. Ein amerikanischer Ultraschaller zahlt jetzt wegen sexueller Belästigung drauf. Während einer transvaginalen Ultraschalluntersuchung hat er die ethische Grenze ganz sicher überschritten. Interessant ist die doch sehr merkwürdige Argumentation der Verteidigung.

 

Einst Pionier in der Ultraschallkontrastmittelentwicklung, war von Schering in den letzten Jahren auf diesem Gebiet nicht viel zu hören. Jetzt konnte Schering in Zusammenarbeit mit der Charité das Prinzip der Sonoporation im Tiermodell belegen. Mit DNA gefüllte Mikroblasen werden mit Ultraschall zerstört, die DNA gelangt durch kavitative Vorgänge in die Tumorzellen. So behandelte Tumore wuchsen signifikant langsamer als die einer Kontrollgruppe. Meine Phantasie reicht nicht aus, um mir vorzustellen, wo diese Entwicklung hingeht – eine ethische Diskussion ähnlich der embryonalen Stammzellforschung ist zu erwarten.

 

Wer eins auf die Nase bekommen hat, wurde zur Diagnosestellung der Nasenfraktur bisher zur Röntgenuntersuchung geschickt. Eine neue Studie belegt, dass Ultraschall und Röntgen vergleichbare Aussagen treffen. Vorteile hat der Ultraschall, wenn die Nase geschwollen ist. Das ist doch eine echte Alternative für alle Boxer.

 

Gespannt werde ich das Dreiländertreffen in Genf verfolgen. Dort wird in einer wissenschaftlichen Sitzung über die zweite Revolution in der Ultraschalldiagnostik berichtet.  Mir war bisher entgangen, dass es eine erste Revolution gegeben hat. Oder habe ich die verschlafen? (Johnnie W.)
 
     
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